Hitze.

Eigentlich habe ich Lust auf nichts. Ich sitze vor dem Laptop, Casper läuft zum gefühlt 1.000sten Mal in dieser Woche und die Kippe auf dem Fensterbrett lacht mich an, aber ich will nicht mal mehr zurück Lächeln.                                                                                                                                 Videoabend? Geburtstagsparty? Support für ein befreundetes DJ-Duo? Mein Handy klingelt erneut. Ich solle mich doch jetzt mal auf den Weg machen.

Es fühlt sich nicht richtig an los zu gehen. Kälte auf der Haut. Ich zittere. Den Schal noch höher ins Gesicht schieben, die kurzen Ärmel unter dem schwarzen Wintermantel bis zu den Fingerspitzen ziehen. Nichts hilft mehr. Warum bin ich nur los gegangen?

Boxen abgeliefert. Lass mal eine rauchen. Draußen wieder Kälte. Aber der Rauch ist so schön im Mondschein und die Freundin neben mir ein wunderbarer Mensch. Gespräche über Sterne, Vergänglichkeit und Kindheit. 

"Wollen wir los?" Sie braucht noch Schuhe. Wir fahren durch die Stadt und der Klang der Glocken sagt uns, dass es spät ist. In die Bahn rein. Aus der Bahn raus. Durch die Kälte. In die Wohnung. Eine Rauchen. Aus der Wohnung. Durch die Kälte. In die Bahn rein.                                                                     Scheiß Ersatzverkehr!                                                               Aus der Bahn raus. In den Bus rein. Um zwei schließlich treffen wir uns mit dem Bruder einer der DJs. Der Weg ist weit. Es ist kalt. Weiße Nebenschwaden wabern über das Wasser der Spree. 

Im Club angekommen die Enttäuschung: 6 Euro für Klassenfahrt-Abschluss-Disko-Stimmung und eine leere Tanzfläche. Konfetti auf dem gesamten Boden verteilt. Die Musik ist gut, keine Frage. Immerhin. Und es ist warm. Viel wärmer als draußen. Immerhin. Aber so richtig Spaß am Tanzen wollen meine Füße nicht bekommen. Da hilft auch kein Konfetti mehr.

Eigentlich habe ich ja Lust auf nichts. 

Eine Rauchen. Weiter Tanzen. Zum Schluss Dubstep. Scheiße ja! Endlich finde ich gefallen an den Farben, der Musik, den paar wenigen Menschen. Und dann geht das Licht an. Guuutes Ende. Inkompetente Türsteher. Schlechter Veranstalter. Wir fluchen.

"Wollt ihr noch mitkommen auf ne WG-Party?" Einer der DJs steht vor uns. Sein Bruder ist müde. Seine Freundin auch. Wir steigen gemeinsam in die S-Bahn. Ich steige mit den Jungs aus. Alleine. Wieder Kälte. Doch die WG ist nah.

Als die Tür des Fahrstuhls auf geht, stehen wir direkt im Wohnzimmer. Die Couches sind besetzt von halb schlafenden Menschen und Pärchen bei denen ich lieber nicht genauer hin schaue. Irgendwie ist nichts mehr los. Und das um fünf. Auf dem Tisch Unmengen an Flaschen. Whiskey, Vodka und Bier. Ein Durcheinander aus Plastikbechern, Ahoi-Brause-Pakungen, undefinierbarem, weißem Pulver, Asche, Geschirr und Teelichtern, welches die Geschichte einer buntexzessiven Party erzählt. Es läuft gute Musik. Elektro.

Mir ist kalt. Wir setzen uns. Schokolade. Ich nen Whiskey. Er nen Vodka. Meine Lunge füllt sich, bis ich den grauen Strahl frei gebe. Der Rauch wabert durch den Raum und das dämmrige Licht der großen roten Lettern, die die Bewohner wohl von irgendeiner alten Kinofassade geklaut haben tauchen alles in Gemütlichkeit. Die Gespräche sind trivial. Irgendein Typ taucht immer mal wieder hinter mir auf und sagt, ich solle Turnen. Ich als ehemalige Profi-Turnerin. Oder an den Lampen hin und her schwingen. Was labert der? Langsam merke ich den Whiskey im Kopf. Wärme kriecht in meine Arme. “Sag mal buffst du eigentlich?” Ich grinse. Mein Kopf tanzt. Wir setzen uns auf die Couch und nachdem wir durch sind tanzt mein Kopf noch mehr. Alles ist warm. Gespräche übers Melt! und andere Festivals. Langsam reichts mir mit dem Tanz. Ich brauch Luft! “Ich glaub, ich geh dann mal…” Er begleitet mich noch. Es ist halb sieben. Ich stolpere viel zu häufig. Der Tanz meines Kopfes geht weiter - unaufhörlich weiter. Meine Begleitung will noch feiern. Festsaal Kreuzberg. Er sagt irgendwas von Sex, MDMA und dem besten Freund eines Mädchens mit dem er mal was hatte. Was? Ich versteh dich nicht.                                                                                                   Mein! Kopf! tanzt! zu! schnell!

"Ich muss raus." 

Frische Luft. Mir ist warm. Viel zu warm. Heiß. Gestern Abend hätte ich gefroren. Eigentlich hatte ich ja Lust auf nichts.

© AMK

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